
Wer ist der perfekte Firmennachfolger?
Unternehmensnachfolge ist eines der zentralen Themen von mittelständischen Unternehmen in der aktuellen Zeit. Schätzungen zufolge wird sich mehr als eine halbe Million Familienunternehmer in den kommenden Jahren mit der Thematik auseinandersetzen müssen.
Viele Unternehmer fragen sich dabei: Wie finde ich einen Firmennachfolger? Und vor allem: Wer ist der perfekte Nachfolger für mein Unternehmen? Diese Fragen sind nicht allgemeingültig zu beantworten. Die optimale Gestaltung der Nachfolgesituation hängt von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die fünf häufigsten Varianten möchten wir in diesem Ratgeberbeitrag näher beleuchten:
- Die Nachfolge innerhalb der Familie
- Übergabe an einen Fremdgeschäftsführer
- Die Übernahme des Unternehmens durch die Mitarbeiter
- Der Teil-Verkauf des Unternehmens
- Der vollständige Verkauf des Unternehmens
Die Nachfolge innerhalb der Familie
Die Nachfolge innerhalb der Familie ist der klassische Weg, an den vermutlich die meisten Menschen als erstes beim Thema „Unternehmensnachfolge“ denken. Dabei wird das Unternehmen vom Sohn, der Tochter oder einem oder mehreren anderen Familienmitgliedern übernommen und weitergeführt. Dies kann, muss aber nicht bedeuten, dass ein Eigentümerwechsel stattfindet.
Vorteile der Familiennachfolge:
- Ihr Lebenswerk verbleibt in Ihrer Familie. Weder Sie noch andere Familienmitglieder müssen die Bindung an das Familienunternehmen aufgeben.
- Sie kennen Ihre Familie sehr gut und sehr lange und könne so Ihre Nachfolger bereits sehr früh integrieren und in unternehmerische Entscheidungen einbinden. Eine Übergangsphase ist daher oft länger planbar und flexibel ausgestaltbar.
Nachteile der Familiennachfolge:
- Oft wird es eher als Bürde empfunden, die Nachfolge des Vaters oder der Mutter anzutreten und das Lebenswerk fortzusetzen. Gerade wenn Sie nicht ohnehin bereits seit Jahren im Unternehmen zusammenarbeiten, besteht die Gefahr, dass jemand in eine Rolle gedrängt wird, die er oder sie als Belastung empfindet
- Es können Akzeptanzprobleme auftreten. Je nach Konstellation ist der innerfamiliäre Nachfolger oft nur „Sohn/Tochter von…“ und hat Schwierigkeiten, gerade gegenüber älteren und lange beschäftigten Mitarbeitern Autorität zu verkörpern.
- Sie werden voraussichtlich weiter involviert sein, sei es als Ansprechpartner für Ihren Nachfolger oder aus eigenem Interesse. Das kann zu (innerfamiliären) Konflikten führen. Wenn Sie einen klaren Schnitt möchten und mit Ihrem Unternehmen und der Tätigkeit abschließen wollen, ist die Nachfolge innerhalb der Familie vor diesem Hintergrund nicht zu empfehlen.
Übergabe an einen (Fremd-)Geschäftsführer
In diesem Fall ziehen sie sich als Unternehmer lediglich aus der Rolle des Geschäftsführers zurück und übergeben die Leitung an einen Geschäftsführer, der entweder bereits in Ihrem Unternehmen tätig ist oder neu eingestellt wird.
Vorteile eines (Fremd-)Geschäftsführers:
- Sie sind weiterhin Eigentümer und ziehen sich lediglich aus der operativen Tätigkeit zurück. Sie haben so noch alle Fäden in der Hand und halten sich auch andere Nachfolgelösungen für die Zukunft offen.
- Die Gewinne und Wertsteigerungen des Unternehmens gehen weiterhin vollständig zu Ihren Gunsten.
- Sie können deutlich breiter nach einem Geschäftsführer suchen als im Falle der innerfamiliären Übergabe. Wenn es sich um einen Geschäftsführer handelt, der bereits in ihrem Unternehmen tätig ist, ist hier der Vorteil, dass er oder sie das Unternehmen bereits gut kennt.
Nachteile eines (Fremd-)Geschäftsführers:
- Ein echter Schnitt erfolgt nicht. Sie partizipieren weiterhin vollständig am Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens. Wie auch bei der innerfamiliären Nachfolge sind Konflikte daher vorprogrammiert. Dass Sie mit Entscheidungen Ihres Nachfolgers hadern und sich an manchen Stellen einmischen möchten, ist anzunehmen.
- Sie müssen ein zusätzliches, marktübliches Geschäftsführergehalt einkalkulieren. Je nach Ausgangssituation und Ihrem aktuellen Gehalt als Geschäftsführender Gesellschafter, kann dies einen signifikanten Unterschied machen.
- Die indirekte Verantwortung für das Unternehmen und Ihre Mitarbeiter bleibt bestehen: Angestellte Geschäftsführer können kündigen und/oder zu einem Wettbewerber wechseln, in diesen Fällen müssen Sie kurzfristig für Ersatz sorgen oder selbst ins operative Geschäft einspringen.
- Abschließend kann es sein, dass ein externer Geschäftsführer nicht erfolgreich ist, auch hier haben Sie in Ihrer neuen Rolle als passiver Gesellschafter die Aufgabe sich von dem externen Geschäftsführer zu trennen und wieder einen passenden Nachfolger zu finden.
Übernahme durch Mitarbeiter
Die Übernahme des Unternehmens durch Mitarbeiter wird in der Fachsprache auch „Management Buy-Out“ genannt. Dabei kaufen Mitarbeiter die Unternehmens-Anteile von Ihnen ab und treten in die Rolle des Geschäftsführenden Gesellschafters ein. Aus Sicht der Mitarbeiter ist diese Übernahme eine Form des „Management Buy-In“.
Vorteile der Mitarbeiter-Übernahme:
- Durch die gemeinsame Tätigkeit im Unternehmen kennen Sie Ihre(n) Nachfolger sehr gut. Sie haben ein gutes Gefühl dafür, ob die Personen für die Rolle des Nachfolgers geeignet sind.
- Der Verkauf ist nicht öffentlich, kein externer Dritter ist eingebunden.
- Bei richtiger Auswahl und Kommunikation ist eine hohe Akzeptanz seitens der Mitarbeiter zu erwarten.
- Klarer Schnitt: Sie können vollständig mit Ihrem Unternehmen und Ihrer Tätigkeit abschließen und realisieren Ihren unternehmerischen Erfolg.
Nachteile der Mitarbeiter-Übernahme:
- Es muss signifikantes Kapital auf Seiten des/der Übernehmenden vorhanden sein. Andernfalls kann die Finanzierung Schwierigkeiten mit sich bringen oder aber Sie müssten eine lange Streckung der Kaufpreiszahlungen in Kauf nehmen und damit indirekt unternehmerisches Risiko tragen - ohne an den unternehmerischen Erfolgen zu partizipieren.
- Sie verhandeln plötzlich mit langjährigen Vertrauten und Partnern. Bei Scheitern der Verhandlungen besteht die Gefahr, dass Sie sich mit wichtigen Mitarbeitern Ihres Unternehmens überworfen haben.
- Es kommt kein zusätzliches Know-How ins Unternehmen, neue Impulse aus anderen Unternehmen oder Branchen sind ausgeschlossen.
Jeder Weg hat Vor- und Nachteile, die je nach Unternehmenssituation, Branche oder Gesellschafter-Konstellation stärker ins Gewicht fallen.
Teil-Verkauf des Unternehmens
Sie verkaufen einen Teil Ihrer Unternehmensanteile an einen externen Käufer, bleiben aber Gesellschafter. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Minderheitsanteil. In vielen Fällen beläuft sich dieser auf ca. 10% - 25% der Unternehmensanteile, somit verkaufen Sie in den meisten Fällen ca. 75% - 90% Ihrer Anteile.
Vorteile eines Teilverkaufs:
- Sie haben weiterhin die Möglichkeit, das Unternehmen zu begleiten und Einfluss zu nehmen, werden aber von Verantwortung entlastet.
- Sie partizipieren weiterhin an Gewinnen und Wertsteigerungen, realisieren aber auch bereits einen großen Teil Ihres Erfolgs durch den Verkauf von Anteilen. Dies führt zudem zu einer Risikodiversifikation.
- Externes Know-How kommt ins Unternehmen.
- Durch Ihren (Teil-)Verbleib wird ein weicherer Übergang ermöglicht, durch diese Beständigkeit ist eine höhere Akzeptanz der Mitarbeiter wahrscheinlich. Ihre Mitarbeiter werden es honorieren, wenn Sie kommunizieren, dass Sie in den nächsten Jahren sich noch im Rahmen Ihrer Teil-Gesellschafterfunktion für das Unternehmen engagieren.
Nachteile eines Teilverkaufs:
- Sie müssen sich zum ersten Mal mit einem weiteren Akteur über die Ausrichtung des Unternehmens einig werden. Das birgt Konfliktpotenzial, auch weil Sie sich (in der Regel) als Minderheitsgesellschafter plötzlich in einer Abhängigkeitssituation wiederfinden.
- Wer ist Ansprechpartner? Es bedarf einer sehr klaren Kommunikation und Rollenverteilung. Andernfalls besteht insbesondere für die Mitarbeiter, aber auch für Kunden oder Lieferanten Unklarheit, wer in welcher Frage Ansprechpartner ist.
- Auch bei dieser Lösung nehmen Sie keinen harten Schnitt vor. Sie sind zwangsläufig weiter im Unternehmen (ein-)gebunden, wenn auch mit geringerer Verantwortung.
Verkauf des Unternehmens
Sie verkaufen Ihr Unternehmen vollständig an einen externen Käufer. Sie geben alle Anteile und operative Verantwortung an einen Dritten ab.
Vorteile eines vollständigen Verkaufs:
- Auch hier gibt es einen klaren Schnitt. Sie können mit Ihrem Unternehmen und Ihrer Tätigkeit abschließen und realisieren Ihre unternehmerischen Erfolge vollständig.
- Emotional ist ein solcher klarer Schnitt oft von Vorteil. Selbst wenn Sie einen Nachfolger finden, der Ihr Unternehmen grundsätzlich nach Ihren Vorstellungen führt, wird es immer große und kleine Entscheidungen geben, bei denen Sie denken: Das hätte ich anders gemacht. Durch einen vollständigen Verkauf sind Sie hier nicht mehr involviert.
- Unmittelbarer Liquiditätszufluss führt i.d.R. zu vollständiger finanzieller Unabhängigkeit für den Rest Ihres Lebens. Sie können Hobbies nachgehen und sich auf Freunde und Familie konzentrieren.
- Es besteht Klarheit für Ihre Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten durch einen eindeutigen Eigentümerwechsel.
Nachteile eines vollständigen Verkaufs:
- Es ist nicht mehr Ihr Unternehmen. Sie können keinen Einfluss mehr auf Entscheidungen nehmen, können nicht mehr eingreifen. Das ist eine große Umstellung.
- Die Umstellung betrifft auch Mitarbeiter und andere Stakeholder. Möglicherweise sind Kunden oder Lieferanten an Sie als Person gebunden und überdenken die Geschäftsbeziehung mit Ihrem Abgang. Es droht ein Netzwerkverlust für das Unternehmen. Häufig wird der Käufer Sie daher noch inhaltlich an das Unternehmen binden wollen, bspw. durch die Gründung eines Unternehmensbeirats oder in Form eines Beratervertrages.
Fazit
Es gibt viele verschiedene Wege einen passenden Nachfolger für Ihr Familienunternehmen zu finden. Jeder dieser Wege hat Vor- und Nachteile, die je nach Unternehmenssituation, Branche oder Gesellschafterkonstellation stärker ins Gewicht fallen. Gerne unterstützen wir Sie bei der richtigen Lösung für Ihr Familienunternehmen. Selbstverständlich ist es für uns eine Option, dass die TRADINEO Gruppe Ihr Familienunternehmen ganz oder teilweise übernimmt und fortführt. (Hier finden Sie heraus, ob Ihr Unternehmen zu uns passt). Aber wir wissen und respektieren, dass ein Verkauf des Unternehmens nicht für jeden Unternehmer die ideale Nachfolgelösung ist. Auch wenn Ihnen ein anderer Weg vorschwebt, beraten wir Sie gerne und unterstützen Sie mit unserem vielfältigen Netzwerk bei der Suche nach dem perfekten Nachfolger. Buchen Sie sich jetzt ein unverbindliches und vertrauliches Erstgespräch mit unserem Gründer und Geschäftsführer Tobias Zimmer.

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